FreitagsBrief 9/2018

Nach Norbert- „die Rente ist sicher“- Blüm stellt seit annähernd 20 Jahren die SPD den Bundesminister für Soziales.
Riester, Ulla Schmidt, Clement, Müntefering, Scholz, Jung und nach einer kurzen Phase mit der späteren und heutigen Kriegsministerin, folgte die Nahles.
Fast 20 Jahre in Regierungsverantwortung für Soziales.
In der Zeit sind die Tafeln in Deutschland von ursprünglich 220 auf heute 934 angewachsen. Errungenschaften, wie Stigmatisierung oder gesellschaftliche Isolation, Demütigung und Entmündigung werden salonfähig. Und so hat sich unter der damaligen „Schröder-SPD“ Deutschland sozial und politisch gespalten. Es fehlte von Stund´ an die politische Repräsentation von finanziell Schwachen oder Arbeits- und Erwerbslosen.
Und damit das auch schön so bleibt, haben sich 66 Prozent im Mitgliedervotum für den Eintritt in die GroKo entschieden. Eine funktionierende Opposition wäre da nur störend.

 

Die Verkündung nach der Auszählung der Stimmen des Mitgliedervotums glich eher einer Aussegnung denn eines erhofften Sieges. “Die Mitglieder der SPD sind mit großer Mehrheit der Empfehlung des Parteivorstands gefolgt”, so Olaf Scholz völlig regungslos mit einem recht überschaubaren Gesichtsausdruck.  “Das schafft jetzt die Kraft, um unser Land auf den richtigen Weg zu bringen.”
Das „Projekt 10%“ ist also gestartet!

 

Die Gleichstellungsbeauftragte des Familienministeriums, Kristin Rose-Möhring, hat einen Änderungsvorschlag zur Nationalhymne vorgebracht. Anläßlich des internationalen Frauentages am achten März solle man doch bitte darüber nachdenken, ob man die deutsche Nationalhymne nicht geschlechtsneutral ändern könne. Statt „Vaterland“ könne man doch dann „Heimatland“ trällern und das Adjektiv „brüderlich“ durch „couragiert“ ersetzen.
Die Genderfrage beschäftig die Nation offensichtlich in ungeahntem Ausmaß. Da werden die zu Höherem erkorenen Damen der neuen GroKo auch gerne mal etwas militanter in der Ausdrucksweise. So, wie Frau Bär. Seit jüngstem die neue Staatsministerin für Digitales in Berlin.
„Meine neue Aufgabe ist riesig und schwer. Wenn sie leicht wäre, hätte es ja auch ein Mann machen können“, so Dorothee Bär.
Hätte diesen Satz ein Mann ausgesprochen, würde der umgehend medial geteert und gefedert.

 

Wörter wirken gelegentlich wie Drogen oder Analgetika.
Der Schmerz geht, und die Welt sieht wieder rosa, schön und verläßlich aus. Und trotzdem kommt irgendwann das Erwachen und die Pest klebt einem immer noch an den Hacken.
Der VDA, Spitzenverband der deutschen Automobil-Industrie, packt das Streben nach möglichst hohem Umsatz in so schmeichelhafte Worten und nennt es „beschleunigte Flottenerneuerung“. Der Verband weist darauf hin, dass über eben diese Flottenerneuerung „die Problematik der innerstädtischen Luftqualität gelöst werde.“
Ein kleiner steuerlicher Anreiz und schon wird sicher gerne der gestern noch passable Euro-5-Diesel in einen Euro-6d-Diesel umgetauscht. Und da die alten Diesel am Tag der Zulassung die seinerzeit gültigen Werte eingehalten haben, bleiben zwei Protagonisten übrig, die die Zeche bezahlen: der Autobesitzer und der Steuerzahler. Am Ende wird es im Kollektiv ausgefochten: Wenn erstmal die steuerliche Förderung beschlossen ist, werden die nötigen Bauteile für die drei Millionen Euro-5-Diesel aus den Schubladen der Hersteller geholt.

 

Die größten Diesel-Umweltferkel sind, neben der Schweröl-angetriebenen Schifffahrt: Panzer.
Um also Schaden vom Volke fernzuhalten, werden die kettenbetriebenen Verteidigungsvehikel nicht umgerüstet oder gar der Betriebserlaubnis beraubt. Nein, der Betrieb der Kampfmaschinen wird outgesourcet.

 

Eine deutsche Flaschenpost wurde nach 132 Jahren an die Küste Australiens angespült.
Da wird doch jeder DHL-Fahrer blass vor Neid. Nix Kärtchen in den Kasten … „wir haben Sie nicht angetroffen“ … Das ist mal Ausdauer. Wieviel Zustellversuche passen wohl in 132 Jahre?

 

Donald Trump fühlt sich ungerecht behandelt.
Zunächst werden Stahl und Aluminium mit Strafzöllen belegt, um die „Amerika-First“-Wirtschaft zu schützen. Die EU antwortet mit Zoll auf Orangensaft, Whiskey und – Erdnussbutter.
Strafzoll auf Erdnussbutter – das verschafft gehörigen Respekt.

 

Gegen Ende der Woche dann ein gesellschaftliches Highlight: der Weltfrauentag.
Eine Drogeriekette, die deutschlandweit Geschäfte betreibt, benennt eine Filiale im Norden der Republik vorübergehend in „Rossfrau“ um. In Zeiten von „metoo“ kommt es natürlich gut an, sich Frauenrechte auf die Fahne zu schreiben.
Ich möchte da nicht beiseite stehen und mich mit – im weitesten Sinn – Weltfrauentags-Cartoons in das bevorstehende Wochenende verabschieden.

Bleiben Sie neugierig, stark und bunt.

 

Marcus

4 Gedanken zu „FreitagsBrief 9/2018

  1. Michael

    wieder mal treffend die Woche kommentiert- ich freue mich immer wieder auf deine Kommentare/ Cartoons

    Gruß Michael

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