Archiv für den Monat: März 2018

FreitagsBrief 12/2018

Vor-Österliches Lamm-Essen und Eiersuchen in Schloss Euxinograd im bulgarischen Warna zum Wochenstart mit Vertretern der Türkei und der EU.
Die Woche zwischen Jesu Einzug in Jerusalem und dem letzten Abendmahl wurde eingeläutet, dekoriert mit schmauchspurenbenetzten Zweigen der „Operation Olivenzweig“, frisch importiert aus Afrin.
Lustig bemalte, bunte Ostereier wurden dort versteckt, gefüllt mit allerlei westlichen Werten.
Die Oster-Eier haben hierzulande ja bis heute eine besondere Bedeutung:
Sie sind ein Zeichen der Hoffnung für neues Leben und für die Auferstehung – der Türkei von den Toten der EU-Beitrittskandidaten.
Als Ostergeschenk gab es in Warne dann die Auszahlung der zweiten Rate von abermals drei Milliarden Euro für das Hauptanliegen der Europäischen Union: die Reisewilligen aus fernen Ländern auf möglichst großer Distanz zu halten.

 

Urlaub in der Bundesrepublik wird bei Gästen aus dem Inland und dem Ausland immer beliebter. Der Boom im Deutschland-Tourismus setzt sich nun schon das achte Jahr in Folge fort. Die Branche ist dennoch in Sorge: in letzter Zeit häufen sich Beschwerden.
Deutsche Amtsträger setzen jüngst vermehrt katalanische Reisende fest, vorzugsweise aus Finnland über Dänemark in unser Land kommend.
Carles Puigdemont, 55, aus Girona/Katalonien, sitzt seit vergangenem Sonntag in Neumünster (Schleswig-Holstein) fest und es ist unsicher, ob er die Osterfeiertage mit seiner Familie in der Heimat verbringen kann.

 

Die Menge des frei handelbaren Ökostroms aus deutscher Produktion ist bekanntermaßen recht gering. Die Nachfrage nach grünem Strom ist in der vergangenen Zeit allerdings rasant gestiegen.
Um die hohe Nachfrage zu bedienen, gehen viele Ökostrom-Anbieter einen witzigen Umweg.
Sie kaufen sogenannte Herkunftsnachweise. Diese Nachweise bestätigen, dass eine bestimmte Menge Ökostrom produziert wurde – egal wo.
Wer die Nachweise gekauft hat und besitzt, kann die entsprechende Menge an Strom aus deutscher Kohle-Produktion als Ökostrom verkaufen. Besonders preiswert sind Herkunftsnachweise aus Skandinavien, weil dort Strom aus Wasserkraft in riesigen Mengen produziert und vorhanden ist.

 

Einen ähnlichen Etikettenschwindel leben die Sozial-Demokraten seit Schröder vor.
Das ungeliebte Sozen-Baby „Hartz4“ soll umgetauft werden in das „solidarische Grundeinkommen.“
Grundsätzlich wird sich allerdings nichts ändern, es geht weiterhin um Angstmache vor Arbeitslosigkeit, Kontrolle und Entwürdigung. Die Menschen in Arbeit sollen, mit der Bedrohung durch Hartz IV nach Arbeitslosigkeit , diszipliniert und zu Lohnzurückhaltung und unwürdigen Arbeitsverhältnissen gezwungen werden. Diesmal aber „solidarisch“. Nach dieser Methode wurde etwa in der Vergangenheit aus der „Aktion Sorgenkind“ die „Aktion Mensch“, aus dem „Krieg“ wurde ein „Auslandseinsatz“ und aus der „Obergrenze“ der „Atmende Richtwert“.
Und was machen wir aus der SPD?

 

Um auch auf dem Arbeitsmarkt zumindest den Eindruck zu erwecken, dass sich allerorts neue Berufsbilder platzieren, die nach Fachkräften lechzen, ist auch hier der phantasievollen Wortschöpfung keine Grenze gesetzt. Aus dem altbekannten Dachdecker wird zukünftig der Dachdeckungstechniker, oder der Abdichtungstechniker oder der Außenwandbekleidungstechniker oder der Energietechniker für Dach und Wand oder gar der Reetdachtechniker. Gerne werden diese Berufe als Personalleasing (alt: prekäre Beschäftigung) angeboten.

 

Die Giordano-Bruno-Stiftung will heute, am Karfreitag, die Jesus-Satire „Das Leben des Brian“ in der „Alten Kanzlei“ in Bochum zeigen. Die evangelische Prälatin Gabriele Arnold, die in der Stiftskirche predigt, findet dieses Ansinnen „geschmacklos“.
Für Protestanten sei der Karfreitag wegen des Kreuztodes Jesu der wichtigste Feiertag im Jahr und sie sei entsprechend  „irritiert“, dass sich die „Alte Kanzlei“ als Nachbar zur Stiftskirche als Veranstaltungsort hergegeben habe.
Schön, dass sich wenigstens andere Religionen dem Humor und der Satire zugetan fühlen und über Glauben und die Religionsstifter gerne herzhaft und ausgiebig lästern und lachen.

 

Ein langes Wochenende zwischen Tod und Auferstehung liegt vor uns.
Oder zwischen Osterhase und Osterfeuer. Je nachdem und jedem das Seine.
Ich wünsche ein entspanntes, besinnliches oder sonniges Wochenende.

Bleibt bunt!

Marcus

 

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FreitagsBrief 11/2018

Jeder Besuch macht Freude – wenn nicht beim Kommen, dann beim Gehen.

Nach dieser altbekannten Devise hält sich die Freude über den Antrittsbesuch der türkischen Armee in Afrin in Grenzen. Man weiß eben nicht, wann der Gast gedenkt, wieder zu gehen. Die Besucher aus dem Iran und aus Russland sind ja schließlich auch noch in der guten syrischen Stube und allmählich wirkt es seltsam unübersichtlich. Die Vorratshaltung bei Speisen und Getränken war auf diese Menge an Gästen gewiss nicht eingerichtet.
Außenminister Heiko Maas, selbst schwerst traumatisierte durch eine Vielzahl an unliebsamen Gästen in der GroKo, springt dem syrischen Gastgeber hilfreich zur Seite und spricht sich gegen einen Verbleib der türkischen Armee in Afrin aus. Der mit 44 Ehrendoktorwürden eingerahmte Präsident Recep Tayyip Erdogan wirkt wegen der germanischen Kritik seltsam verwirrt. Da schiebt man dem Herrscher vom Bosporus bis Mitte Januar noch Kriegsgerät für 14 Millionen Euro aus deutscher Hand in den Hintern und dann heißt es: nur gucken, nicht anfassen!

Olaf Scholz, ehemaliger Bundesminister für Arbeit und Soziales, ist nach einer kurzen, erfolglosen Karriere als HSH-Nordbank-Verkäufer wieder zurück auf den höchsten Ebenen des politischen Parketts. Wohin auch sonst, in der freien Wirtschaft wären Herren dieser Güte gewiß ein Fall für das JobCenter.
Diesmal hat der konservative Sozialdemokrat das Finanzministerium übernommen; eine logische Konsequenz nach der versprochenen 10-Milliarden-Bürgschaft für den privaten Käufer der HSH-Bank.
Um sich mit genügend Sachverstand den täglichen Aufgaben eines Finanzministers zu stellen, hat sich Olaf Scholz mit Jörg Kukies einen überaus sachverständigen Mitstreiter in das Ministerium geholt. Der Investmentbanker Kukies wechselt von der US-Großbank GoldmanSachs nach Berlin. Der Lobbyismus 2.0 hält Einzug. Früher gaben sich die Industrievertreter die Klinke in die Hand, heute sitzen die Damen und Herren in den Ministerien.
Wer in Hamburg 10 Milliarden an Steuergeldern versenkt, Beratungsresistenz und Großkotzigkeit für Tugenden hält, kann in einem Land, in dem wir gut und gerne leben, in der Tat Historisches leisten.

Soziale Medien bevorzugen Katzenbilder, Fotos vom letzten Abendessen, Sensationen, Zugespitztes, Dramatisiertes, kurz: Arsch und Titten.
Die politische Gesellschaft wird weniger entspannt, emotional sehr polarisiert und die Versachlichung verweigernd. Hysterie wird zum Normalzustand, Zwischentöne und Relativierungen fallen gänzlich weg.
Spätestens seit der Wahl von Donald Trump wissen wir, dass das rechte Lager die Funktion zu nutzen weiß.
Wer das zu sehen bekommt, was er vorher schon mit „Daumen hoch“ bewertete, wer überwiegend mit Gleichgesinnten diskutiert, der hat danach dieselbe Meinung wie vorher, nur extremer. Im Fall von Facebook und anderen sozialen Netzwerken haben das Analyse-Firmen wie Cambridge Analytica 50 Millionen-fach verstanden und Zuckerberg als Quelle der Kapitalisierung erkannt.

Seit November 2015, der Hoch-Zeit in der Flüchtlingswanderung, „arbeiten“ die EU und die Türkei enger zusammen. Seinerzeit versprachen die Mitgliedstaaten Ankara für 2016 und 2017 drei Milliarden Euro. Im Gegenzug nimmt Erdogan Flüchtlinge auf, die neu auf den griechischen Ägais-Inseln ankommen. Inzwischen sind so rund 2,5 Millionen Syrer in der Türkei untergekommen.
Der „Flüchtlingsdeal“ gilt bis heute, kommenden Montag soll er neu verhandelt werden.
Die EU-Kommission plant weitere drei Milliarden Euro für die Unterbringung der Flüchtlinge auf türkischem Boden ein. Diesem Ansinnen müssen die Mitgliedstaaten noch zustimmen, was sich angesichts der Spannungen zwischen Europa und der Türkei als recht problematisch erweist.
Und so wird für neues „Humankapital“ gesorgt, und durch den Einmarsch im syrischen Afrin zahlreiche neue Flüchtlinge produziert.

In Deutschland werden Zwangsehen seit 2011 in unter Strafe gestellt.
Von außen herangetragene Erwartungen oder parteiinterner Druck können die Stresssituation so verstärken, dass oft nicht objektiv festgestellt werden kann, ob Zwang oder vielleicht eine Nötigung vorliegen.
„Es ist erschütternd, dass in Deutschland noch immer tausende Mitglieder von Zwangsverheiratung bedroht sind. Doch die geschäftsführende Bundesregierung zeigt, dass ihre Gesetze gegen Zwangsverheiratungen nichts bringen“, kritisiert die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulle Schauws.
Wer riskiert schon, dass er wegen des Widerstandes von der politischen Bühne verstoßen wird.

Ich wünsche ein schönes, um eine Stunde verkürztes Wochenende.
Bleibt bunt, stark und neugierig.

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