Freitagsbrief 1/2018

Ungefähr zum Beginn der Präsidentenzeit, kündigt sich das Hormongewitter an und die Pubertät beginnt. Ab sofort kann es immer wieder kräftig donnern und auch mal ziemlich viele Tweeds aus dem Trump´schen PC hageln.
Präsidenten arbeiten sich in dieser Phase der Pubertät nicht nur an anderen Präsidenten, vorzugsweise mexikanischen, sondern auch an Medien-Betreiber ab. Besonders auffällig aber ist der ausgeprägte Hang zu roten Krawatten und lauter, massiver Sprache.
Die Energie muss raus, der Wettkampf beginnt.
Das Streben nach einem „America First“ zeichnet diese früher als „Flegeljahre“ bezeichnete Phase aus.
Manches geht unter die Gürtellinie
Präsidenten im Alter um die 70 sind Rotzlöffel. Die einen mehr, der anderen weniger. Das hängt vom Temperament ab.
Sie müssen mit den Veränderungen, die der Spagat vom Immobilienbesitzer zum Präsidenten mit sich bringt, erst einmal fertig werden. Doch sie sind nicht die einzigen, die sich hier einer neuen Situation stellen müssen.
Selbst asiatische Gelassenheit scheint dem pubertären „Schwanzmessen“ zu unterliegen.

 

Hier also bewußt auf Trennung bedacht, ist man andernorts auffällig um Harmonie bemüht.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

Soweit Friedrich Schiller, der von der Situation nach der letzten Bundestagswahl schon eine gute Ahnung gehabt haben muss.
Der Wählerwille, den die Parteioberen selbst aus einstelligen Prozentzahlen heraus interpretieren können, läßt keinen Zweifel: man ist bereits geschmückt für den Hochzeitstanz.

 

„Aus dem Nichts“ gewinnt der Film des Regisseurs Fatih Akin den Golden Globe für den besten nicht-englischsprachigen Film.
Bei der Hollywood-Gala wurde das fast zur Nebensache.
Die Damenwelt kleidete sich in Schwarz.
„Ím wearing my black dress tonight!“ „Metoo!“

 

Furchtbare Bilder der Naturkatastrophen links und rechts der begradigten Flüsse erreichen uns aus überbauten Flussauen. Stündlich übermittelte Pegelstände lassen ahnen, in welcher Gefahr sich die lieben Mitmenschen befinden, die uns über die sozialen Medien dauerhaft mit Bildern und Selfies an der Katastrophe teilhaben lassen.

 

Aber gut, dass neben den unausweichlichen Tiefschlägen, die uns diese unbelehrbare Natur in beängstigend kurzen Abständen um die Ohren haut, immer noch gute Nachrichten an unsere Tür klopfen: Deutsche Exporteure eilen von einem Hoch zum Nächsten.
Allein der deutsche Binnenmarkt hält sich verdächtig zurück. Die nur lokal präsentierten Wirtschaftsgüter zeichnen ein besorgniserregendes Bild der wirtschaftlichen Situation in einem Land, in dem wir „gut und gerne leben“.

 

Jetzt sind also doch Einzelheiten der Sondierungsgespräche durchgesickert.
Armin Laschet soll geplaudert haben und dabei war doch von unseren Vertretern in Berlin Stillschweigen vereinbart worden. Was geht es den Souverän an, was lobbyistengesteuerte Nadelstreifen in Berlin so hinter verschlossenen Türen besprechen? „Gehen Sie bitte weiter! Hier gibt es nichts zu sehen!“

 

Nach zwei Legislaturperioden, in denen die GroKo die Klimaziele völlig verpeilt hat, sollen die nun also, weil nicht erreichbar, aufgegeben werden. Soweit die „Sondierer“ der beiden großen Parteien. Eine Bankrotterklärung. Nicht die Erste.
Sechs der 10 schlimmsten Umwelt-Dreckschleudern bei den Kraftwerken stehen in Deutschland. Und die seinerzeit zur Opposition fähige grüne Partei hat man mit genügend Barmitteln und den Verlockungen des Berliner Treibens zu einer weiteren Polit-Kurtisane verunstaltet.

 

Ganz oben auf der Agenda der Sondierungswütigen: der Familiennachzug.
Asylsuchende, die in Deutschland Schutz bekommen, dürfen Ehepartner nachholen. Für eine bestimmte Gruppe mit eingeschränktem Schutzstatus, subsidiäre Geschütze also, hatte die große Koalition den Familiennachzug im März 2016 beschränkt und für zwei Jahre ausgesetzt: also bis die SPD in einer neuen gemeinsamen Regierung mehr Tierschutz in den Ställen und eine Kennzeichnung für Fleisch aus besserer Tierhaltung zustimmt. „Das ist keine Obergrenze, sondern eine durch praktische Realitäten vorgegebene Größenordnung. Diese kann man von mir aus auch gern politisch festschreiben“, wird aus CSU-Kreisen erklärt. Es gehe jetzt darum, zunächst die Härtefälle schnell zu bearbeiten – also etwa solche von minderjährigen Schweinen und Kühen.
Wenn Sie das nicht begriffen haben, ist das im uns fernen Berlin genau so gewünscht.

 

Der Bundesgerichtshof hat die Wuppertaler Freisprüche im Fall der Scharia-Polizei aufgehoben. Begründung: nach dem Versammlungsgesetz ist es verboten, in der Öffentlichkeit uniformähnliche Kleidung zu tragen, wenn damit eine politische Gesinnung ausgedrückt werden soll und das Ganze einschüchternd wirkt.
In den traditionsbewußten Schützenvereinen gerade in ländlichen Gebieten wurde diese Argumentation irritiert zur Kenntnis genommen.

 

Zum Wochenende dann schlägt eine Meldung ein, wie eine ferngesteuerte Bombe: völlig unberührte Länder, fernab der Zivilisation, wurden von Donald „The Conquistador“ Trump entdeckt. Sie liegen direkt vor den Türen der Vereinigten Staaten und wurden nach seinem Entdecker benannt. Drecksloch-Länder.

 

Dem geneigten Leser wird aufgefallen sein, dass die Seite von den Vorjahreszeichnungen bereinigt wurde. Außer diesem „Durchwischen“ wird sich vorläufig am Web-Auftritt nicht viel ändern. Bisher halte ich den für überschaubar, gut lesbar und vor allem werbefrei.
Möglicherweise werde ich mir Unterstützung holen, um den Verbreitungsgrad zu erhöhen, die Zugriffszahlen zu steigern und im besten Fall einige Leser zum Kommentieren zu überreden.
Im vergangen Jahr hatte ich – Achtung, festhalten! Stützen Sie ihren Nachbarn! – zwei Leserbriefe. Zwei.
Wie gerne würde ich die beiden Freunde der zeichnenden Zunft hier namentlich nennen, um zumindest meiner Wertschätzung Ausdruck zu verleihen.

Nun habe ich mich also entschlossen, die Anmeldung der Kommentierenden mit E-Mail und Name auszuschalten. Vielleicht fällt es dem ein oder anderen leichter, sich hier zu äußern.

Ein Letztes: Zum zweiten Mal sind die Zeichner und Zeichnerinnen des bundesweiten Verbandes „Cartoonlobby“ mit einem Jahresrückblick zu Gast in der Berliner MedienGalerie. Ab Januar zeigen dort mehr als 50 prominente Protagonisten des kritischen Zeichenstiftes Eindrücke vom vergangenen Jahr 2017 in ihren besten Cartoons und Karikaturen.

12. Januar bis 9. März 2018

Verdi-Mediengalerie
Dudenstraße 10
10965 Berlin-Kreuzberg

 

An dieser Stelle wünsche ich dann nicht nur ein sonniges Wochenende, sondern zuvorderst ein gesundes, buntes und aufregendes neues Jahr.

Wer mag, sende mir eine Mail an marcus@gottfried.online und läßt sich im Verteiler listen, auf das der FreitagsBrief durch Eure Hand reichlich Verteilung findet in dieser bunten, unüberschaubaren Online-Welt.

Für die Abbestellung der wöchentlichen Postille gilt der gleiche Weg.

Bleibt stark, neugierig und bunt.

Marcus

 

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